Freitag, 23. Juni 2017

Ganz allein - Gefängnisgedicht von Nicole Sunitsch

Ganz allein

Im Gefängnis ist es dunkel,
die Angst steckt in mir, wie ein Furunkel.
Es ist ein Gefühlschaos
und dagegen bin ich machtlos.
Ich frage mich, was ist bloß los mit mir,
warum stehe ich jetzt hier,
liegt das nur an mir?
Meine Probleme wurden wie ein großer Schneeball,
es dauerte nicht lang und ich kam zu Fall.
Es machte in meinem Kopf einen lauten Knall.

Ich habe einfach alles hin geschmissen
und auf vieles geschissen.
Mir war alles egal, Alkohol und Drogen,
ihr habt mich betrogen und belogen.
Dazu meine Umgebung und mein Freundeskreis,
auf die ich heute alle scheiß.
Keiner ist für mich da,
wo sind die Freunde,
welche ich früher immer sah.
Sie meldeten sich in dieser schweren Zeit nicht,
sie ließen mich im Stich
und nahmen mir mein Himmelslicht.

Doch im Nachhinein ist es gut,
dass mich mein Leben dazu einlud.
Ich bin nicht mehr auf der Suche, ich bin ich
und stehe mittlerweile auf einer höheren Stufe.
Das Gefängnis tat mir gut,
trotz allem, bekam ich wieder neuen Mut.
Den Mut, den man im Leben braucht,
ich bin wieder der Alte
und der ist durch meine Strafe wieder aufgetaucht.
Was ich damit sagen will, seid ganz still.

Nutze die Zeit deine Emotionen zu senken,
um dein Leben in die richtigen Bahnen zu lenken.
Kehre in dich, dein Herz wird es dir sagen,
die Wahrheit wird dich noch oft genug plagen.
Nutze die Stille, um nachzudenken,
ohne dich zu kränken.
Und wenn du glaubst, du bist ganz allein,
dann macht das nur den Anschein.
Lese einfach mein Büchlein,
denn es wird für kurze Zeit bei dir sein.

Nicole Sunitsch